
Den vorherigen Teil meines Rückblicks schloss ich mit CRIMINAL. Damit ich Werke, die über viele Jahre geschrieben, gezeichnet, coloriert und veröffentlicht worden sind, nicht innerhalb weniger Wochen in einem einzigen Leseexzess konsumiere, gönne ich mir eine Auszeit von dem kreativen Team Brubaker und Philips.
So ging es zum Ende von 2025 dann weiter mit The Many Deaths of Leila Starr. Auf Deutsch bei CrossCult erschienen, im Original bei Boom!Studios. Die Prämisse klang gut, der filigrane Zeichenstil mit verzerrten Proportionen und tänzerischen Gesten sagte mir auf anhieb zu. Am Ende konnte die Prämisse den ausgestellten Check aber nicht einlösen. Sicher, emotionale Momente waren vorhanden. Was nicht ausbleibt, wenn eine Geschichte und unsere Perspektive der Protagonistin das komplette Leben der zweiten Hauptfigur von Kindstagen an bis zum Sterbebett folgt. Die Wirkung der immer länger werdenden Zeitsprünge ließ aber ab dem zweiten Mal nach und die Wendung am Ende hat das große Moment irgendwo verloren. Nicht gänzlich, aber. Eine insgesamt eher durchschnittliche Reise, die mich nicht lange im Nachgang beschäftigt hat.

Danach war es mal wieder Zeit für etwas Konventionelles. Etwas Abgegriffenes. Weil es immer funktioniert. Durch eine Empfehlung im Kindle-Shop (auf meinem Schwarzweiß-Gerät…) bin ich nach Sucheingaben über Hellblazer und Constantine auf Wonder Woman von Tom King, bei Dawn of DC, der Sparte von DC Comics, 2023 erschienen. Die Sperrigkeit des letzten Satzes spiegelt ein bisschen die Wirkung von etablierten Comic-Serien auf mich wider. Es lässt sich vermutlich nicht vermeiden, wenn Serien, wie z.B. Wonder Woman, seit über 80 Jahren existieren. Da gibt’s diverse Neuauflagen, Multiversen, verschiedene Autoren, Zeichner und Coloristen. Unter dem wachsamen Auge des Verlags dürfen dann etliche Künstler Superhelden und Heldinnen in ihre Vita aufnehmen. Das Superheldenmotiv fand ich irgendwann zu vorhersehbar. Die anfängliche Übermacht, das Ringen mit internen oder externen Konflikten, das Selbstfinden und das Zusammenfinden, gerne mal die Entdeckung, dass man als Team doch besser funktioniert und dann am Ende doch die einzige Schwäche des übermächtig erscheinenden Antagonisten ausnutzen und siegreich hervorgehen. Marvels Avengers, in dessen Storyarc dann die halbe Population des Universums ausgelöscht wurde, war schon eine Ansage. Ich erwarte keinen Game of Thrones-artigen Umgang mit über jahrzehntelangen etablierten Helden (in Game of Thrones bzw. dem Lied von Feuer und Eis leben sowieo kaum Figuren länger als eine Dekade). Und natürlich kann man auch spannende Geschichten erzählen, wenn klar ist, dass die Hauptfigur nicht stirbt. Der Fokus liegt dann nicht auf dem Ob, sondern Wie. Wie schafft Wonder Woman am Ende siegreich hervorzugehen? Als ich dann noch die ganzen positiven Bewertungen las und viele den aktuellen Bezug nicht nur erwähnten, sondern lobten, schlug ich zu.
DC wirbt mit dem Zitat von Screen Rant, dass Wonder Woman Outlaw ein „much-needed commentary“ sei. In der aktuellen Zeit, wo kaum ein Tag ohne Meldungen vom nordamerikanischen Kontinent und ICE-Einsätzen vergehen—hierzulande etwas völlig anderes und auch nicht unkritisch, sind es aber in den U.S.A. die Beamten der Einwanderungsbehörde—ist Outlaw ein ziemlich deutlicher Kommentar auf die Abschiebepolitik und auf das exekutive Organ besagter Politik. Ausführlicher habe ich diesen Comic hier besprochen. Grundsätzlich war er lesenswert und Diana als Wonder Woman die Stärke der Geschichte. Die Erwartungen sollten aber gemäßigt sein.

Lasst mich das Jahr mit einem Glanzstück schließen, das kaum prächtiger sein könnte. The Discworld Graphic Novels. Die Umsetzung von Terry Pratchetts Science-Fantasy-Klassiker der Scheibenwelt als Graphic Novel kann ich nicht vergleichend bewerten, da ich die Romane, hier The Colour of Magic und The Light Fantastic adaptiert, nie gelesen habe. Dieses Buch hat aber alles, was ich mir von einer Geschichte in diesem Genre wünsche. Viel Witz und Humor, skurrile Momente und Charaktere, eine Welt mit fantastischen Orten, einigen Wendungen und einer außergewöhnlichen Bedrohung in The Light Fantastic. Hauptfigur Rincewind, der wie eine ernstere Magier-Version von Guybrush Threepwood wirkt, stolpert von einem Abenteuer ins nächste. Eigentlich soll er dafür sorgen, dass Twoflower, ein Besucher aus einem fernen Kaiserreich, gefolgt von einer Truhe mit Füßen, nur Gutes über Rincewinds Heimatland zu berichten hat. Nach dem die ersten Sprachbarrieren abgebaut worden sind, geraten die beiden gleich in eine äußerst brutale Kneipenschlägerei. So viel zum guten Eindruck, den Twoflower bekommen soll. Der lässt sich aber von nichts einschüchtern und begegnet allem und jedem mit einer kindlichen Neugier, Naivität und ist sich gefährlichen Situationen scheinbar kaum bewusst und findet alles irgendwie interessant und spannend.
Es ist unglaublich und schwer in Worte zu fassen, wie Pratchett hier Dringlichkeit, eine globale Bedrohung und lokale Konflikte mit viel Humor verbindet und eine Hauptfigur zeichnet, die auf dem ersten Blick keine heldentypischen Stärken aufweist. Außer man zählt Glück dazu. Körperliche Stärke, fehl am Platz. Und für einen Zauberer kann er sehr wenig zaubern. Das hat allerdings auch einen Hintergrund, der am Ende für Handlung noch von großer Bedeutung sein wird. Ich habe selten solch einen guten Comic, ja sogar selten solch eine gute Geschichte, gelesen. Ich freue mich schon auf die nächsten drei angekündigten Graphic Novels, die im Laufe der nächsten zwei Jahre erscheinen sollen.
2026 habe ich nun mit einem Roman von Stephen King begonnen. Billy Summers. Ansonsten bin ich gespannt in welche Geschichten mich dieses Jahr eintauchen lassen wird.



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